Plimoth Plantation – heute offiziell „Plimoth Patuxet Museums“ – ist eines der eindrucksvollsten lebendigen Freilichtmuseen der USA. Es entführt Besucher:innen ins Jahr 1627 und lässt sie hautnah erleben, wie die englischen Siedler und die indigenen Wampanoag einst lebten. In diesem Beitrag erfährst du alles Wissenswerte zur Geschichte des Museums, seinen Hauptattraktionen und erhältst praktische Tipps für deinen Besuch.
Geschichte & Hintergrund
Die Pilgerväter, eine Gruppe englischer Puritaner, verließen Europa auf der Suche nach religiöser Freiheit und gründeten 1620 die Kolonie Plymouth in der Hoffnung, eine neue Gesellschaft nach ihren Glaubensvorstellungen aufbauen zu können. Die Überfahrt auf der Mayflower und das erste Jahr in der Neuen Welt waren geprägt von extremen Entbehrungen. Die Siedler erreichten Massachusetts im Spätherbst und konnten keine ausreichenden Vorräte mehr anlegen oder geeignete Unterkünfte bauen.
Der kalte Winter, mangelnde Nahrung und fehlendes medizinisches Wissen führten dazu, dass Hunger und Krankheiten wie Skorbut, Lungenentzündungen und Durchfallerkrankungen grassierten. Nur etwa die Hälfte der ursprünglichen Kolonisten überlebte diese harte Zeit. Die Unterstützung durch die indigenen Wampanoag war entscheidend für das Überleben der Siedler – sie lehrten die Neuankömmlinge unter anderem den Anbau von Mais und das Fischen in den umliegenden Gewässern. Diese historische Verbindung ist bis heute zentraler Bestandteil der Darstellung in Plimoth Patuxet.
Ziel der Gründung des Museums war es, Geschichte nicht nur zu erzählen, sondern erlebbar zu machen – mit detailgetreuen Rekonstruktionen, historischen Gewändern und Schauspieler:innen, die im Stil der Zeit agieren.
Plimoth Plantation war die erste dauerhafte Siedlung in Neuengland, sie ist allerdings nicht, wie viele glauben, die erste europäische dauerhafte Siedlung am nordamerikanischen Kontinent. Dieser Titel ergeht an St. Augustine, Florida – diese Stadt wurde bereits Anfang des 16. Jahrhunderts von den Spaniern gegründet. Der Plimoth Patuxet ist allerdings die erste englische Kolonie.
Heute kann man natürlich nur eine Rekonstruktion besichtigen, damals hielt man noch nicht viel von der Erhaltung solcher Gebäude für die Nachwelt. Anhand von Beschreibungen und Briefen der ehemaligen Bewohner konnte man sie allerdings sehr geschichtstreu wieder aufbauen.
Verkleidete Schausteller stellen hier das einfache Leben der Pioniere nach, man kann auch einige alte Handwerksarbeiten kennen lernen und bekommt so ein Gefühl für das damals harte Leben. Bereits nach dem ersten Winter waren fast die Hälfte der über den Atlantik gesegelten Siedler an Hunger oder Krankheiten gestorben. Dank der Hilfe eines benachbarten Indianerstammes konnten die Siedler jedoch überleben.
Den Erzählungen nach fand hier auch das erste Thanksgiving statt.
Hauptattraktionen des Museums
English Village (1627)
Das Herzstück des Museums ist das nachgebaute englische Dorf von 1627. Besucher:innen begegnen hier historischen Darsteller:innen, die den Alltag der Kolonist:innen lebendig inszenieren – inklusive Gartenarbeit, Kochen über dem offenen Feuer oder Diskussionen über politische Fragen der Zeit.
Wampanoag Homesite
Dieser Bereich wird von Mitgliedern indigener Communities betreut, die authentische Einblicke in das Leben, die Traditionen und die Perspektiven der Wampanoag vermitteln – ohne dabei in historische Rollen zu schlüpfen. Hier erfährst du, wie ein Tipi aufgebaut ist, wie Fisch über dem offenen Feuer geräuchert wird und welche Werkzeuge die Wampanoag verwendeten.
Mayflower II
Ein Highlight ist die originalgetreue Nachbildung des Schiffs, mit dem die Pilger 1620 nach Amerika kamen. Die Mayflower II liegt am Hafen von Plymouth und kann separat besichtigt werden.
Plimoth Grist Mill
Ebenfalls in Plymouth befindet sich diese funktionierende Mühle, in der Besucher:innen erleben können, wie aus Mais Mehl wird – ganz wie im 17. Jahrhundert.
Praktische Besuchstipps
Die beste Zeit für einen Besuch in Plimoth Patuxet ist zwischen Frühling und Herbst, da in dieser Saison alle Außenbereiche geöffnet sind und das Wetter angenehm für längere Rundgänge ist. Für einen umfassenden Eindruck solltest du mindestens einen halben Tag einplanen – gerade bei einem Besuch mit Familie empfiehlt sich sogar ein ganzer Tag, um alle Attraktionen in Ruhe zu entdecken.
Das Museum liegt etwa drei Meilen südlich vom Zentrum Plymouths in Massachusetts und ist am besten mit dem Auto erreichbar. Vor allem in der Hochsaison ist es ratsam, die Tickets im Voraus online zu buchen, da das Besucheraufkommen dann deutlich höher ist und Warteschlangen vermieden werden können.
Warum sich ein Besuch lohnt
Ein Besuch in Plimoth Patuxet ist ein außergewöhnliches Erlebnis, das weit über klassische Museumsbesuche hinausgeht. Die Geschichte wird hier auf eindrucksvolle Weise lebendig – durch detailreiche Nachbauten, authentisch gekleidete Darsteller:innen und interaktive Elemente entsteht ein multisensorisches Erlebnis, das alle Altersgruppen begeistert. Besonders hervorzuheben ist die einzigartige Kombination aus europäischer und indigener Perspektive: Während das English Village das Leben der englischen Siedler darstellt, ermöglicht die Wampanoag Homesite einen respektvollen und lehrreichen Einblick in die Lebensweise der indigenen Bevölkerung. Diese ganzheitliche Darstellung macht Plimoth Patuxet zu einem kulturell wertvollen Ort der Bildung und Begegnung.
Auch Familien kommen voll auf ihre Kosten: Kinder können in eine andere Zeit eintauchen, Geschichte spielerisch erleben und Fragen direkt an die Darsteller:innen stellen. Damit wird der Besuch nicht nur lehrreich, sondern auch unterhaltsam – ein ideales Ausflugsziel für Geschichtsinteressierte, Reiselustige und alle, die gerne in andere Welten eintauchen.
Ideal für Kinder, Geschichtsinteressierte und Reiselustige, die sich auf eine authentische Zeitreise begeben möchten.