Zum Oktoberfest nach München

Seit fast zehn Jahren nehmen wir uns vor, einmal gemeinsam zum Oktoberfest zu fahren. Bis jetzt hatte es immer nur Martin allein – wenn überhaupt – geschafft. Dieses Jahr war’s dann soweit – wir haben es geschafft gemeinsam mit Freunden ein verlängertes Wochenende in München zu verbringen. Dabei haben wir uns nicht nur das Oktoberfest angesehen, sondern auch ein paar andere nette Ecken der Bayrischen Metropole erkundet.

Am Freitag nach der Arbeit sind wir gemeinsam aufgebrochen, die Strecke von Wien über die A1 nach Passau und dann weiter über Deggendorf und nördlich von München vorbei nach Weil war in gut fünf Stunden geschafft. Das Navi kannte die zuletzt fertig gestellte Autobahnstrecke bei Germering noch nicht und hat uns durch das Ortsgebiet gelotst, hier hätten wir ein paar Minuten gutmachen können die wir zuvor im Stau verloren hatten. Da wir aber im Urlaub und nicht auf der Flucht waren, hat uns das nicht weiter gestört.

In Weil wurden wir schon bei den Verwandten unserer Freunde erwartet, den verbliebenen Abend haben wir dann mit gemütlichem Beisammensein und einem Abendspaziergang durch Weil verbracht. Die Bewegung hat gut getan nach so langem Auto-sitzen!

Der Eröffnungstag

Hofbräu ZeltAm Samstag haben wir dann nicht lange ausgeschlafen und nach einem guten Frühstück wurden wir dann zur Schnellbahnstation Geltendorf gebracht.

Das Auto haben wir wohlweislich stehen lassen, denn unser heutiges Ziel hatte Potential zum nicht-mehr-fahrtüchtig-sein. Die Mädels nett im rosa Dirndl passend für die Wies’n adjustiert, unsere beiden Männer zogen dann doch eher Jeans und (Trachten-) Hemd vor.

BierwagenBei der Station Hackerbrücke sind wir dann – immer den Massen folgend – zur Theresienwiese spaziert. Obwohl es bis zur Eröffnung des Oktoberfests mit dem traditionellen Einzug der Bierwagen und Ehrengäste noch eine gute Stunde hin war, war das Gelände schon gut gefüllt. Die Polizei hatte Absperrungen für den Umzug errichtet, die Besucher haben sich alle brav daran gehalten.

Vor der Eröffnung hatten wir kurz die Möglichkeit ins Hippodrom hinein zu schauen – hier waren schon alle Plätze belegt. Wir wollten uns ohnehin den Umzug anschauen und hofften, unmittelbar nachher in eines der Zelte hinein zu kommen.

BierwagenWir haben uns dann auch recht rasch ein Platzerl gesucht und konnten den Umzug gut beobachten. Die Bierwägen mit den geschmückten Pferden sind schon ein Anblick für sich! Zwischendurch spazierten immer wieder Musikkapellen, auf den Wägen der Zelte waren oft einige Kellner und Kellnerinnen mit an Board die zum Besuch des jeweiligen Zeltes aufforderten.

Pschorr-BrauröslZwischendurch begann es leider immer wieder zu regnen, wir hatten zwar keine Schirme dabei, aber die Plastik-Umhänge die wir uns noch geborgt hatten, haben für’s erste ausgereicht. Pünktlich nach Ende des Einzugs hat der Himmel dann seine Schleusen geöffnet, wir haben so natürlich keinen Platz in einem Zelt mehr ergattert. Im Regen über die Festwiese schlendern war auch nicht so unseres.

Also beschlossen wir, erst mal die nächstgelegene (trockene) U-Bahn Station im Laufschritt aufzusuchen. Wir brauchten nicht lange und entschieden uns, unser Glück in der Schneider Weissen zu versuchen. Bei dem allgemeinen Touristenandrang zur Oktoberfest-Eröffnung und der Wetterlage war es auch hier fraglich ob wir ein Platzerl ergattern können.

Zu unserem Glück haben wir dann zwei mal zwei Plätze organisiert bekommen (ein Dank dem Schankpersonal!), so konnten wir zumindest den Hunger mit ein paar Bratwürstel mit Sauerkraut und einem Bier vertreiben. Kurz nachdem wir mit dem Essen fertig waren, wurden dann am zweiten Tisch zwei weitere Plätze frei – den Nachtisch haben wir dann gemeinsam genossen.

Nachdem es immer wieder regnete, haben wir auf Plan B umgestellt: etwas trockenes war uns allen im Sinn. Von der Schneider Weissen ging’s dann in einer Regenpause zum Isartor und über die Brücke auf die Museumsinsel. Im Deutschen Museum haben wir uns dann erst einmal die Bergwerks-Ausstellung angesehen. Die ist wirklich sehr gut gemacht und man glaubt sich teilweise wirklich in einem Stollen und nicht im Keller (?) des Museums.

Gerade rechtzeitig kommen wir dann noch zur Demonstration in der Starkstrom-Abteilung. Wirklich beeindruckend, welchen Lärm so ein klitzekleiner Blitz erzeugen kann!

Es dauert nicht lange und Martin entdeckt den Wegweiser zur Flugzeug-Abteilung – weg war er! Dort haben wir uns dann bis zur Sperrstunde des Museums um 17 Uhr aufgehalten, höflich aber dennoch mit Nachdruck wurden wir von Mitarbeitern des Museums „hinausgescheucht“. Zum Glück hatte es aufgehört zu regnen, wir machten uns also wieder auf in Richtung Theresienwiese. Vielleicht haben wir ja diesmal etwas mehr Glück und kommen in eines der Festzelte.

AugustinerkellerDort angekommen spazieren wir von einem Zelt zum nächsten – aber bald wird uns klar: heute ist einfach zu viel los. Als Ersatzprogramm gehen wir wieder in Richtung Hackerbrücke und kehren dann im Augustinerkeller ein. Hier gibt’s auch Oktoberfest Bier und die Stimmung ist auch gut. Nach dem Essen setzen sich vier Amerikaner aus Massachusetts zu uns, es dauert nicht lange und Martin wird auf sein Kapperl der New England Patriots angesprochen. Der altbekannte Smalltalk entwickelt sich und wir haben eine schöne Zeit.

Bald ist es nach Mitternacht und wir müssen in Richtung Geltendorf aufbrechen, die Züge fahren nicht die ganze Nacht. Müde aber mit vielen neuen Erinnerungen fallen wir dann ins Bett.

Tag 2 – Sonntag

Wir schlafen lange aus, bis wir dann mit Frühstücken fertig sind und uns auf den Weg zur S-Bahn machen ist es halb zwölf. Unser erstes Ziel heute ist der Englische Garten, die Sonne scheint zumeist und auch sonst ist das Wetter ideal für dieses Programm. Sicherheitshalber haben wir die Regenjacken mit. Einmal regennass werden pro Wochenende reicht.

SurferBeim Eingang zum Englischen Garten schauen wir erst einmal den Surfern zu. Hier wird in einem der Bäche eine künstliche Welle erzeugt. Es dürften fast nur Könner hier versammelt sein, den meisten traue ich auch die Wellen in Hawai’i zu. Zumindest schaut das alles so leicht aus!

BrotzeitDer Hunger (und noch mehr der Durst) treibt uns weiter, wir wollen beim Chinesischen Turm einen kleinen Snack zu uns nehmen. Hier ist auch schon ganz schön was los! Zwei von uns stellen sich mal bei der zunächst nicht sichtbaren Schlange der Essensausgabe an, lange dauert es bis wir unser Essen und die Getränke haben. Wir lassen uns Zeit und genießen die Sonne nebst ländlicher Blasmusik. Zwischendurch kommt auch einer der Bierwägen mit zwei Pferden angespannt vorbei.

Englischer GartenNach dem Essen machen wir eine Runde durch den Englischen Garten bevor wir dann gegen sechs Uhr wieder in Richtung Theresienwiese aufgeht. Weil das Wetter recht schön ist – die Sonne scheint – wollen wir bei der einen oder anderen Achterbahn stehen bleiben. Für mich ist das nichts, ich bleibe lieber mit den Taschen unten stehen und sehe zu.

Auf unserer Runde über die Festwiese kommen wir natürlich auch wieder bei den Bierzelten vorbei (das ist ja quasi unmöglich nicht an denen vorbeizugehen) und schauen auch hier wieder bei den Eingängen ob Einlass möglich ist. Beim Paulaner Zelt haben wir dann Glück und einer der Security-Mitarbeiter drückt wohl ein Auge zu. Drinnen ist es schon rappelvoll, kein Platz an den Tischen ist frei. Wir drehen eine Runde durch das Zelt (stehen in den Gängen haben die Kellner nicht so gerne) und finden dann schlussendlich direkt vor der Musik-Bühne ein kleines Platzerl.

Den restlichen Abend verbringen wir dann wie alle anderen im Zelt: auf den Bierbänken tanzend, Bier trinkend und feiernd. Wirklich angenehm an der Atmosphäre ist, dass man – so wie in den USA – leicht mit den anderen Besuchern ins Gespräch kommt und so alle gemeinsam feiern.

Wir bleiben bis das Zelt geschlossen wird und fahren dann wieder mit der S-Bahn nach Geltendorf wo wir wieder rasch in einen komatösen Schlaf sinken. Morgen wird ausgeschlafen, immerhin heißt es da für uns: Auf nach Hause!