Hallstatt

Wir sind relativ früh ausgeschlafen und sitzen schon kurz nach halb neun beim Frühstück im Seehotel am Hallstätter See. Von der gestrigen Wanderung im Palfauer Wasserloch spüre ich nur in den Waden einen Muskelkater – von den vielen Stiegen!

Der Plan unseres heutigen Tages: herausfinden, wieso Hallstatt bei den Asiaten so beliebt ist. Immerhin ist außer uns nur noch ein älteres Ehepaar aus Deutschland im Hotel nicht-asiatischen Aussehens.

Wir frühstücken ausgiebigst und erkundigen uns bei der Reception des Hotels noch nach den Möglichkeiten einer Schiffsüberfahrt. Das einfachste, so erklärt uns das die nette Dame, wäre ein Spaziergang zum Bahnhof Hallstatt (der ist nämlich auf der gegenüberliegenden Seite des Sees) und von dort dann per Boot direkt ins Ortszentrum Hallstatt.

Vom Hotel aus sind es gut 20 Minuten Fußweg zur Bahnstation. Wir haben schönstes Wetter – Kaiserwetter wie man bei uns in Österreich sagt – und viele Bäume leuchten schon bunt in herbstlichen Farben. Der See ist ruhig und sehr klar, in flacheren Uferzonen sieht man bis auf den Grund. Nebel wabert über den See und die Seitentäler, richtig kitschig sieht das aus!

Blick auf Hallstatt

Blick auf Hallstatt

Bis das nächste Boot fährt müssen wir noch gut eine Viertelstunde warten, wir genießen in der Zwischenzeit die tolle Aussicht auf Hallstatt und die Berge. Der Nebel wird immer weniger, nur ein paar dünne Wolkenfetzen sind am Himmel zu sehen. Es ist zwar immer noch recht frisch, aber im Laufe des Tages wird es sicherlich noch wärmer.

Ein Zug fährt im Bahnhof ein, es steigen etliche Asiaten aus. China hat ja eine Replik von Hallstatt erbaut – aber dem Original kann das aus meiner Sicht nicht einmal annähernd gleichkommen! Als das Boot dann endlich anlegt sind wir die einzigen deutsprachigen Passagiere. Außer den Asiaten ist noch ein amerikanisches (?) Ehepaar mit an Bord.

Kapitän und Erster Offizier (aka Fahrkartenverkäufer) freuen sich offensichtlich, dass auch österreichische Gäste an Bord sind, wir werden freundlich begrüßt. Wir kaufen uns für 2,40€ pro Nase eine einfache Überfahrt – wie und wann wir wieder nach Obertraun zurück fahren wollen wir uns offen lassen. Die Bootsfahrt ist bei dem Wetter wieder super-kitschig-schön, ich kann mich gar nicht satt sehen an dem Panorama das sich uns bietet.

Hallstatt

Aussicht vom Boot auf die Häuser Hallstatts

Foto-gerecht fährt der Kapitän ein paar hundert Meter entlang der Uferlinie des berühmten Ortes. Hallstatt zählt ja seit 1996 zum UNESCO Weltkulturerbe, gemeinsam mit der Region Inneres Salzkammergut und Dachstein.

Von der Anlegestelle gehen wir erst einmal in Richtung Kirche, ich will einen Blick in das bekannte Knochenhaus werfen. So wirklich groß ist das nicht, der 1€ den wir „Eintritt“ zahlen ist eigentlich mehr symbolisch als sonst was. Wir bekommen einen Zettel in Klarsichtfolie geliehen auf dem die wichtigsten Informationen stehen.

Aufgrund des doch sehr begrenzten Platzangebots der Ortschaft und demnach auch des Friedhofs wurden sämtliche Gräber nach 10 Jahren wieder geöffnet und die Knochen der Verstorbenen fein säuberlich im Knochenhaus gestapelt. Die Schädel wurden verziert und mit dem Sterbedatum und dem Namen der Person beschriftet.

Schon irgendwie gruselig, aber so war’s damals eben. Heutzutage nehmen die Feuerbestattungen zu, so daß es nicht mehr notwendig ist die Gräber zu öffnen.

Da fließt sogar der Bach durch's Haus...

Da fließt sogar der Bach durch’s Haus…

Wir spazieren weiter durch den Ort, viele Gehwege sind ausschließlich Stufen und ich spüre die Nachwirkungen der gestrigen Wanderung deutlich. Zum Running Gag des Urlaubs wird der Ausspruch: „Schon wieder Stufen!“.

Der Vormittag ist rasch um und wir beschließen uns in Richtung Salzbergwerk aufzumachen. Das wollen wir uns auch anschauen. Martin war als Kind schon mal hier, aber da sieht man die Dinge ja doch etwas anders.

Ein "Gift-Shop" entlang des Weges

Ein „Gift-Shop“ entlang des Weges

Mit der Schrägseilbahn geht’s dann ein Stück den Berg hinauf. Zu Fuß könnte man auch gehen, nur ist der Weg derzeit gesperrt. Der Weg zur Seilbahn führt entlang des Seeufers, hier ist auch das eine oder andere Souvenirgeschäft zu finden. Überall gibt’s natürlich das hier gewonnene Salz zu kaufen, zu horrenden Preisen – deswegen passen wir hier.

Eine kleine Mure hat den Weg unpassierbar gemacht. Ist mir auch lieber mit der Seilbahn, denn bergauf sind wir schon wieder genug gegangen! Für die Berg- und Talfahrt mit der Seilbahn und dem Eintritt ins Bergwerk zahlen wir pro Nase 24€, nicht wenig aber dafür bekommt man auch was geboten.

Blick auf den Hallstätter See und das Besucherzentrum des Schaubergwerks

Blick auf den Hallstätter See und das Besucherzentrum des Schaubergwerks

Von oben hat man dann einen wunderschönen Blick auf den See und das Bergpanorama! Wir müssen um zum Eingang des Schaubergwerks zu kommen noch ein paar Minuten nach oben wandern. Der Weg ist aber schön ausgebaut und relativ leicht zu bewältigen.

Oben angekommen stellen wir fest, dass auch noch eine Schulklasse hier einen Ausflug macht. Wir bekommen Schutzkleidung bei der Garderobe und recht bald darauf werden wir von einem Führer begrüßt. Der hat auch klare Anweisungen für die Schüler, die sich größtenteils auch daran halten: zusammenbleiben, nix angreifen und wenn er was sagt, hat der Rest Sendepause.

Die Fürhung dauert eine gute Stunde, besonders lustig haben wir’s bei den beiden Rutschen im Berg. Die wurden als Erleichterung für die Bergleute gebaut um schneller nach unten zu kommen. Nacheinander dürfen wir rutschen, bei der längeren Rutsche wird sogar die Geschwindigkeit gemessen und ein Foto gemacht. Wir schaffen zu zweit ganze 30km/h!

Die Führung ist sehr interessant und wir lernen wieder etliches dazu. Zum Beispiel wurde im 18. Jahrhunder mal ein verschütteter Bergmann gefunden, der soll 7000 Jahre alt gewesen sein. Wirklich beweisen kann man das nicht, denn die braven Bergleute die den Leichnam geborgen haben, haben ihm ein christliches Begräbnis gegeben – und keiner hat Aufzeichnungen wo genau das war. Es ist also gut möglich, dass einer der Schädel im Knochenhaus 7000 Jahre alt ist…

Nach der Führung spazieren wir wieder zur Bergstation der Seilbahn, wo wir uns im Gasthof noch ein verspätetes Mittagessen gönnen und die letzten Sonnenstrahlen sowie den Ausblick genießen.

Gemütlich geht’s dann wieder mit der Seilbahn hinunter und zu Fuß in Richtung Anlegestelle vom Boot. Da wir dort noch eine gute halbe Stunde Zeit haben, gönnen wir uns noch einen Kaffee und einen Apfelstrudel im nächstgelegenen Kaffeehaus und lassen den schönen Tag noch einmal Revue passieren.