Mount St. Helens

Recht lange halten wir es in dem doch schon deutlich abgewohnten Motel nicht aus, wir treffen uns schon um acht Uhr. Das angebotene Frühstück im Motel lassen wir auch aus, der Geruch ist alles andere als einladend. Also fahren wir noch ein Stück in Richtung Longview hinein und holen uns bei McDonalds ein Frühstück. Das gratis WiFi von der Fast Food Kette wird auch gleich genützt und wir buchen uns zwei Zimmer im Shilo Inn, Seaside OR.

Gestärkt brechen wir dann endlich zu unserem heutigen Programmpunkt auf: der Mount St. Helens steht am Programm. Berühmt wurde dieser Vulkan 1980, als er gut 400 Höhenmeter seines Gipfels bei einem der schwersten Ausbrüche seit Bestehens der USA eingebüßt hat.

Um zum Johnston Ridge Observatory zu fahren – das ist das Visitor Center mit dem besten Blick auf den Krater und die Devastated Area – müssen wir wieder ein Stück in Richtung Norden fahren. Die Abzweigung ist in Castle Rock, nur dort waren alle Hotels ausgebucht. Die 15 Minuten zusätzliche Fahrtstrecke machen uns nicht viel aus. Gleich bei der Abzweigung wird unser Van auch gleich mal vollgetankt – schließlich sind es doch gut 50 Meilen bis nach oben und bis zu unserem gebuchten Hotel werden wir heute ca. 200 Meilen am Tacho abspulen. Also ein eher fahrintensiver Tag.

Den Spirit Lake Highway (Rt. 504 W) geht es dann bergauf. Die Stimmung im Van ist erwartungsvoll und gut gelaunt, wir sind endlich alle im Urlaub angekommen und auch die Strapazen der Zeitverschiebung haben wir hinter uns gelassen.

Fotoserie des Ausbruchs

Fotoserie des Ausbruchs

Unser erster Stop ist gleich das erste Visitor Center beim Silver Lake. Wir schauen uns dort den angebotenen Film über den Vulkan und den Bau der Straße an. Auch die Ausstellung ist sehr interessant und die 5$ Eintritt pro Person definitiv wert. Unser America the Beautiful Pass gilt in diesem Visitor Center nicht, nur oben im Observatory wird er akzeptiert.

Hier unten kann man sich auch gut vorstellen wie die gesamte Region ausgesehen hat, bevor es zu dem folgenschweren Ausbruch kam. Wer näheres zu dem Ausbruch wissen möchte, sollte sich den Wikipedia-Artikel dazu durchlesen.

Wir bleiben auch noch bei einem zweiten Visitor Center und bei der Hoffstatt Creek Bridge stehen. Beim Visitor Center ist nicht wirklich etwas los, nur der Blick von der Terrasse lässt ein wenig erahnen was hier vor gut 33 Jahren abgegangen ist.

Sowohl beim Visitor Center als auch am Parkplatz vor der Hoffstatt Creek Bridge halten wir uns nur kurz auf um ein paar Fotos zu machen und den Ausblick auf das Toutle Valley zu genießen.

Während des Ausbruchs kam es nicht nur zu Explosionen und Eruptionen, die Wassermassen des Gletschers der sich am Gipfel des Mount St. Helens befand hat zu schweren Überschwemmungen und Murenabgängen geführt und fast das gesamte Valley unter sich begraben.

Blick vom zweiten Visitor Center in Richtung Vulkan

Blick vom zweiten Visitor Center in Richtung Vulkan

Den nächsten längeren Stop legen wir erst beim Coldwater Lake ein, dort gehen wir auch ein wenig spazieren. Die Landschaft hier ist schon wieder relativ grün, auffällig ist nur das hier keine großen Bäume stehen. Die meisten Bäume haben gerade einmal armdicke Stämme und sehen noch sehr jung aus.

Coldwater Lake

Coldwater Lake

Coldwater Lake

Coldwater Lake

Kein Wunder, denn die Druckwelle des Ausbruchs hat hier nichts mehr stehen lassen. Mitten im See liegt auch ein riesiger Felsen, der beim Ausbruch hierher geschleudert wurde. Auf den benachbarten Berghängen liegen auch die umgedrückten Baumstämme noch genau gleich wie Sekunden nach der ersten Explosion. Kaum zu glauben, das mittlerweile schon 33 Jahre vergangen sind.
Coldwater Lake

Coldwater Lake

Um die Mittagszeit sind wir dann am Parkplatz des Johnston Ridge Observatory angelangt. Es ist recht viel los hier, immerhin ist Ende Juli hier Hauptsaison. Ein Parkranger hält einen Vortrag, wir hören ihm gerne etwas zu und erfahren einige interessante Dinge über die Gegend hier.

Wir genießen den Ausblick, das Wetter könnte nicht besser sein! Es ist nur ein wenig windig, aber in der Höhe geht eben gerne mal ein Lüftchen. Wir können sogar ein kleines Rauchwölkchen beobachten, das immer wieder aus dem Vulkankegel aufsteigt. Der Mt. St. Helens ist ja noch aktiv, wenngleich er momentan auch eher eine ruhende Phase hat.

Die Reste des einst dichten Waldes...

Die Reste des einst dichten Waldes…

In der Blast-Zone...

In der Blast-Zone…

... blieb nichts stehen.

… blieb nichts stehen.

Im Visitor Center sind auch jede Menge an Überwachungsgeräten und Sensoren der USGS untergebracht, der Mt. St. Helens ist wohl einer der am besten überwachten Vulkane der Welt. Also fühlen wir uns relativ sicher.

alpine Blumen gibt es wieder hier

alpine Blumen gibt es wieder hier

Von hier heroben wirkt die Landschaft fast wie eine Mondlanschaft. Beeindruckend ist jedoch, dass  man in der Devastated Area teilweise einen leichten grünen Schimmer erkennen kann: die Natur erobert sich das so plötzlich geraubte Gebiet langsam aber sicher wieder zurück.

In der unmittelbaren Umgebung des Visitor Centers gibt es unzählige alpine Blumen zu sehen und auch Sträucher wachsen wieder. Bis allerdings der riesige Wald der vor dem Ausbruch hier stand wieder aufgewachsen ist, wird es sicherlich noch Jahrzehnte dauern.

Sedimentreste

Sedimentreste

Auf einem nahe gelegenen Bergrücken sieht man sogar immer noch die in Reih-und-Glied liegenden umgeblasenen Baumstämme liegen. Die Druckwelle der ersten Explosion des Ausbruchs hat hier nichts überlebt. Unzählige Baumstämme wurden auch in den Spirit Lake geblasen und schwimmen auch heute noch am Wasser.

Mount St. Helens

Mount St. Helens

Wir sehen uns auch im Johnston Ridge Visitor Center um und gönnen uns den angebotenen Film. Der ist wirklich gut gemacht und sehenswert! Danach zieht es uns wieder weiter, wir wollen heute noch bis Seaside, Oregon fahren. Am Weg nach Castle Rock bleiben wir nicht mehr stehen, je weiter wir uns vom Mt. St. Helens entfernen desto grauer wird das Wetter.

In Longview bleiben wir noch einmal auf einen Starbucks-Kaffee stehen. Weiter an der Küste ist es dann recht kalt, windig und grau in grau. Da es schon wieder fast Abendessenszeit ist, beschließen wir gleich durch Astoria durch zu fahren und erst im Hotel einen Stop zu machen.

Dort sorgen wir an der Rezeption mit unserer Frage ob es denn noch Zimmer mit Meerblick gäbe für Verwirrung. Vier Leute, zwei Zimmer auf den gleichen Namen – man bietet uns eine Möglichkeit mit Meerblick an. Der Preis ist aber nicht viel teurer als ein Zimmer unserer Buchung, das macht uns stutzig. Ach so, meint dann die Dame an der Rezeption, wir sind kein Elternpaar mit zwei Kindern? (Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass ich als jüngste der Runde die 30 auch schon vor einiger Zeit hinter mir gelassen habe.)

Nein, meinen wir. Wir sind zwar eine Familie (deshalb auch die gleichen Namen), aber jeweils mit dem (Ehe-) Partner unterwegs und wollen bitte-danke auch zwei Zimmer haben. Na gut, wir bekommen zwei Zimmer direkt gegenüber voneinander.

Vor dem Abendessen machen wir dann noch einen kleinen Strandspaziergang in Seaside, doch der kalte Wind zieht uns dann doch in ein Steakhouse nahe dem Hotel. Dort lassen wir den Abend dann gemütlich ausklingen und die Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren.

Ein paar Ausschnitte von unserem Besuch könnt ihr euch in diesem Video anschauen:

weiter zum nächsten Tag
Mount St. Helens 12. November 2013

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