Rundflug über Massachusetts

Der erste Weg des Tages: zum Fenster. Ist das Wetter auch schön? Strahlendblauer Himmel, die Autos am Parkplatz sind taunass. Es ist kühl, aber das macht uns nichts. Nach dem üblichen Coffee-to-go, den mir Martin täglich organisiert, geht’s in Richtung Flugplatz. Plan des heutigen Tages ist ein Rundflug über Massachusetts. Nicht einer, den man wo buchen kann, sondern selber geflogen.

Mein Schatz ist ja stolzer Besitzer einer Pilotenlizenz, die auch in den USA anerkannt ist.

Um neun treffen wir uns mit einer Fluglehrerin am Hanscom Field. Auch wenn Martin selber fliegen dürfte ist das Thema Sicherheit doch groß und in ungewohnter Umgebung ist’s doch besser jemand Erfahrenen mitzunehmen. Nach ein wenig Plauderei stellt sich heraus, dass Brigitte (so heißt unsere nette Begleitung) eigentlich aus Deutschland stammt aber schon vor mehr als 20 Jahren in die USA ausgewandert ist. Ab dem Moment ist die Unterhaltung dann ein Kauderwelsch aus deutsch und englisch – die fliegerischen Dinge bleiben englisch (Brigitte hat das Fliegen in den USA erlernt).

kurz nach dem Start

kurz nach dem Start

Nach einem gründlichen Wettercheck beschließen wir nach Provincetown aufzubrechen, wie wir von dort aus dann weiter fliegen lassen wir uns offen – je nach Wettersituation. Über dem Cape und den Inseln vor der Küste solls ein wenig unruhiger in der Luft werden – Brigitte ist da ein wenig besorgt ob’s mir auch nicht zu viel wird. Doch da gäb’s bei mir sowieso nur eins: Augen zu und durch. Gemietet haben wir uns eine Cessna 172, genau die gleiche Maschine mit der Martin schon 2007 während seinem beruflichen Boston-Aufenthalt einen Flug gemacht hat. Gecheckt wird auch das Flugzeug gründlich – das ist oberste Pilotenregel.

Wir überfliegen die Vororte von Boston und punktgenau über der am Vortag besuchten Mayflower II beginnen wir den Überflug über ein Stückchen Atlantik. Über mein Headset kann ich den Funk mithören – auch der ist hier ganz anders! Bei uns in Österreich verstehe ich meistens, was die Controller wollen, aber hier: keine Chance!

Den amerikanischen Slang und dieses Tempo – ich konzentriere mich da lieber aufs fotografieren! Im Anflug auf Privincetown müssen wir unsere weitere Flugroute auch mit einem Hubschrauber der Coast Guard koordinieren, in den USA ist es scheinbar so üblich dass sich die Piloten absprechen wer was macht. Lückenlose Kontrolle durch Radarcontroller gibt es hier offensichtlich nicht.

In Provincetown machen wir einen kurzen Spaziergang zum Strand, bevor es weiter geht nach Nantucket. Überrascht stellen wir fest, dass unser Flugzeug bereits aufgetankt ist (wir hatten vor dem Verlassen des Flugplatzes erwähnt, dass wir vor dem Abflug noch einen Tankwagen bräuchten.)

Strand von Provincetown

Strand von Provincetown

Das ist in den USA so üblich, erklärt uns Brigitte. Deshalb wird noch einmal alles genauestens am Flieger gecheckt – kann ja in unserer Abwesenheit was passiert sein. Aber es ist nichts abnormales festzustellen, alle Systeme laufen bestens und der Flieger hat auch noch alles dran was dran sein soll und nichts zu viel.

Cape Cod von oben

Cape Cod von oben

Entlang des Capes fliegen wir also nach Nantucket, dort ist auch eine Mittagspause geplant. Im Landeanflug wirds dann wirklich ein wenig ungemütlicher – aber mit der Piste in Sicht hält man schon so einiges aus. Mit dem Taxi geht’s vom Flugplatz dann in den Ortskern – kaum ausgestiegen wird mir klar, warum sich in Nantucket auch halb Hollywood einen Ferienwohnsitz organisiert hat. Es ist traumhaft schön – kitschig. New England in Höchstform. Wir essen also hier zu Mittag (New England Clam Chowder ist nach den ersten Tagen hier schon mein Leibgericht.) bevor es für mein Empfinden viel zu früh wieder zurück zum Flugplatz geht.

Wir starten nach einem erneuten Wetter- und Flugzeugcheck und hoffen, dass uns der Tower vom Boston Logan Airport die Freigabe für einen Rundflug rund um Downtown Boston gibt. Wir haben aber leider einen etwas ungünstigen Zeitpunkt erwischt und müssen in der Gegend des MIT (Massachusetts Institute of Technology) wieder umdrehen und kehren nach Hanscom Field zurück.

Am Heimweg machen wir noch in Natick in einem Einkaufszentrum Halt und gehen ein wenig Schaufensterbummeln. Morgen geht’s dann weiter: über Old Sturbridge Village und das New England Air Museum bis nach Newport, Rhode Island.

weiter zum nächsten Tag

Rundflug über Massachusetts 30. Dezember 2009