Boston: Freedom Trail

Der Jet Lag lässt grüßen: beide sind wir um 3 Uhr früh Ortstzeit (also neun Uhr Wiener Zeit) putzmunter. Um sieben schließlich halten wir’s nicht mehr aus und es zieht uns nach draußen. Für den ersten Tag haben wir einen Besuch in Boston geplant. Bis wir in den vor der Abreise zwecks ausgeglichener Gewichtsverteilung mehrmals umgepackten Koffern dann unsere sieben Sachen beisammen haben dauert’s ein wenig, um halb neun werde ich dann von Martin mit einem Coffee-to-go aus der Hotellobby versorgt und es kann los gehen. Ohne Frühstückskaffee geht bei mir nämlich gar nix.

Das Wetter könnte auch nicht besser sein: angenehme 17°C und strahlender Sonnenschein! Wir nehmen die Route 9, an der das Hotel direkt liegt, nach Boston – Autobahnen haben wir daheim schließlich auch, wir wollen Land & Leute sehen und haben uns vorgenommen die Intestates nur wo notwendig zu nutzen!

Unser Mietauto parken wir in einem Parkhaus in der Nähe des Boston Common, gratis Parkplätze entlang der Straße sind nicht zu finden. Die dann doch recht „gesalzene“ Parkgebühr von fast 20 USD für den Tag nehmen wir schließlich doch in Kauf.

Unser Plan für den Vormittag: ein Spaziergang entlang des Freedom Trail, der eigentlich durch den interessantesten Teil der Innenstadt führt und so einen guten Einstieg in die Stadtbesichtigung bietet. Ganz nach dem Motto „Follow the red line“ ist eine rote Linie am Boden aufgemalt bzw. rote Ziegelsteine in den Asphalt eingelassen. Für die 2,5 Meilen haben wir etwas mehr als einen halben Tag gebraucht – schließlich haben wir uns einige der Gebäude auch näher angesehen.

Boston Common

Boston Common

The Boston Common ist ein wunderschöner und großer Park im Zentrum von Boston. Wir sind an einem Sonntag hier und werden Beobachter einer öffentlichen Yoga-Stunde im Park. Einige Jogger drehen ihre Runden und die Squirrels sind eifrigst am Sammeln von Futter. Manche sind sogar sehr zutraulich und kommen bis auf einen Meter zu uns her.

Als zweite Station des Freedom Trail ist das Massachusetts State House, hier sitzt auch heute noch die Regierung von Massachusetts. Das Old State House wurde zu klein, daraufhin wurde dieses neue Gebäude mit der vergoldeten Kuppel verbaut und seit 1798 tagt hier der Commonwealth of Massachusetts regelmäßig.

Massachusetts State House
Massachusetts State House
Granary Burying Ground

Granary Burying Ground

King's Chapel Burying Ground

King’s Chapel Burying Ground

Gemütlich spazieren wir entlang der roten Linie weiter, da Sonntag ist wird in vielen der am Weg liegenden Kirchen eine Messe gelesen. Da wollen wir nicht stören und beschränken uns bei diesen Kirchen auf die Außenseite, draußen wird aber schon fotografiert.

Old State House

Old State House

Wir konnten das Old State House leider nur von außen besichtigen, da es zum Zeitpunkt unserer Reise gerade renoviert wurde. Bei der Fanieul Hall machen wir eine kurze Pause und stärken uns ein wenig. Hier war schon immer eine betriebsame Gegend: auch früher schon war der Markt hier, vor der Fanieul Hall werden damals wie auch heute noch öffentliche Reden und Ansprachen gehalten, wir konnten jedoch keinen Redner entdecken.

Quincy Market

Quincy Market

Da es noch relativ früh am Vormittag ist, sind hier noch wenige Menschen unterwegs – wahrscheinlich sind die Redner zu betriebsameren Zeiten hier anzutreffen. Das kleine Einkaufszentrum im Quincy Market hat schon offen und wir drehen eine kurze Runde durch. Unter der Woche ist in den vielen kleinen Lokalen sicherlich einiges los, wenn die Menschen aus den umliegenden Büros hier ihre Mittagspause machen.

Weiter geht es dann durch den italienisch geprägten Stadtteil Bostons. Ein Schild oder ähnliches, das auf diesen Stadtteil hinweist haben wir nicht gefunden, aber die vielen italienischen Lokale sind uns Hinweis genug.

Einige Meter nach dem Paul Revere House biegt die rote Linie dann ab und man kommt zur Old North Church. Hier hat ja das geschichtsträchtige Signal in Form einer Laterne die Bevölkerung vor den anrückenden Briten gewarnt.

Staute von Paul Revere

Staute von Paul Revere

Old North Church

Old North Church

Rückseite der Old North Church

Rückseite der Old North Church

hübsche Feuertreppen

hübsche Feuertreppen

Copp's Hill Burying Ground

Copp’s Hill Burying Ground

Vor der Old North Church steht auch eine Staute von Paul Revere – natürlich am Pferd sitzend. In der Kirche wird wieder eine Messe gelesen. Hier geht es ein wenig bergauf, am höchsten Punkt der Erhebung ist dann einer der ältesten Friedhöfe Bostons zu finden: Copp’s Hill Burying Ground. Hier stehen noch ganz viele alte Grabsteine. Teilweise sind sie schon so verwittert, dass man die Inschrift nur noch erahnen kann.

Dieser Friedhof wurde schon um 1600 gegründet. Heute versuchen interessierte Volunteers herauszufinden, welche Berühmtheiten hier anno dazumal beerdigt wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass hier Passagiere der Mayflower ihre letzte Ruhestätte fanden, ist entsprechend groß.

neue Autobahn-Brücke über den Charles River

neue Autobahn-Brücke über den Charles River

Weiter geht es dann über den Charles River (bei der Brücke muss ich tapfer sein, den Boden aus Lichtgitterrost mag ich mit meiner Höhenangst gar nicht!) in Richtung Bunker Hill Monument. Von hier aus hat man einen schönen Blick zum Flughafen – uns zieht es aber weiter zur USS Constitution und wir bleiben deshalb nicht lange oben. Vom Bunker Hill zur USS Constitution ist es ein ganz schönes Stück, da hier Straßenbauarbeiten zu einem Umweg zwingen.

Ganz zu unserer Überraschung kostet die Besichtigung der USS Constitution nichts. Man muss nur durch einen Metalldetektor durch (hat man hierzulande ja öfter) und bekommt dann von einem Navy Offizier eine Führung durch das Schiff.

USS Constitution

USS Constitution

USS Cassin Young

USS Cassin Young

Wir haben die Ehre die allererste Führung von einer anfangs etwas nervösen jungen Dame zu bekommen. Sie zeigt uns die verschiedenen Decks des Schiffes, erklärt uns, dass die USS Constitution zwar noch besegelt wird aber aus Sicherheitsgründen das Hafengebiet nicht mehr verlassen darf.

Gesegelt wird auch nur bei besonderen Anlässen, z.B. manchmal am Independence Day. Immerhin ist „Old Ironsides“ – so der Spitzname der USS Constitution – das älteste noch im Dienst stehende Schiff. Gebaut wurde sie zwischen 1795 und 1797 in Boston.

Gleich neben der USS Constitution liegt auch noch die USS Cassin Young, ein Zerstörer aus dem 2. Weltkrieg. Der kann auch besichtigt werden, aber mir reicht ein Schiff pro Tag und Martin hat sich die Cassin Young schon bei seinem letzten Boston-Besuch angesehen.

Vom Ende des Freedom Trail sind wir dann in Richtung Hafen spaziert und uns dort einige Zeit lang auf eine der Bänke gesetzt und unsere Füße ausgeruht. Wir hatten zwar die fußfreundlichen Laufschuhe an – aber nach einem halben Tag auf Asphalt gehen…

Wir überlegen uns noch, ob wir in das Aquarium gehen sollen, aber da wir das in Atlanta besuchen wollen, entscheiden wir uns dann doch für’s gemütliche in-der-Sonne-sitzen und Seele baumeln lassen.

Am späten Nachmittag machen wir uns dann wieder auf in Richtung Parkhaus, dort werden wir auch gleich um 17$ für die Parkgebühr erleichtert. Geht ja noch, wenn man eine ähnlich lange Zeit in einem Wiener Parkhaus steht, zahlt man gut und gerne das Doppelte.

Am Weg zurück zum Hotel sind wir noch bei einem Supermarkt stehen geblieben um uns mit etwas Proviant zu versorgen. Eine Gallone Wasser musste sein, dazu noch ein paar Äpfel und Cookies. (Da gibt’s auch ganz schön viele unterschiedliche Sorten!)

Beim Blick auf das Preisschild der Äpfel war mir auch klar, wie es zu einem so großen Anteil an übergewichtigen Personen kommen kann: ein halbes Kilo kleiner (aber wirklich schöner) Äpfel kostete uns ganze 7$. Für einen Burger, der in etwa gleich viele Kalorien hat zahlt man hier nur 1 bis 3 Dollar. Noch dazu ist schnell gekocht und der Abwasch gestaltet sich auch sehr zeitsparend.

Gleich neben dem Supermarkt war auch ein AT&T Store – wir hatten uns von einem Arbeitskollegen ein amerikanisches Wertkartenhandy geborgt, das haben wir auch gleich mit Guthaben versorgt. Dieses Handy hat sich dann im Laufe des Urlaubs als recht praktisch erwiesen – vor allem bei den Verabredungen mit unseren Bekannten und bei der Hotelreservierung.

Am Heimweg sind wir noch bei einem Liquor Store stehen geblieben und haben ein paar Dosen Bier eingekauft. Ich bleibe derweilen im Auto sitzen. Martin stürmt auf einmal aus dem Geschäft und bittet mich um 5$. Wenig später kommt er dann mit breitem Grinsen mit seinem Einkauf zurück: zusätzlich zum Bier hat er noch eine 0,5l Dose Red Bull gefunden. (Zur Info: bei uns gab’s die damals nur im kleinen Format mit 250ml Doseninhalt) Ja, XXL kommt hierzulande offensichtlig gut an!

Unser Abendessen besorgen wir uns dann bei einer am Heimweg liegenden Subway Filiale, die Footlongs verspeisen wir dann während einem American Football Spiel im Hotelzimmer.

 weiter zum nächsten Tag

Boston: Freedom Trail 30. Dezember 2009