Grachtenspaziergang durch Amsterdam

Gracht

Gracht

In unserem Reiseführer haben wir einen ausgedehnten Grachtenspaziergang gefunden, den wir gleich am ersten Vormittag abgegangen sind und so einen guten Überblick über die Amsterdamer Innenstadt bekommen haben.

Zufällig finden wir uns am Ende der beschriebenen Route wieder und beschließen den Spaziergang in der umgekehrten Reihenfolge entlang zu gehen. Man braucht aber nicht unbedingt eine vorgeschriebene Route, in unserem Reiseführer waren jedoch einige besondere Häuser beschrieben oder ihre Bewohner erwähnt.

Amsterdam hat drei „Hauptgrachten“: die Herengracht, die Keizersgracht und die Prinsengracht. Die Amstel ist ein natürlicher Wasserweg durch Amsterdam. Auffällig ist auch, dass das Wasser relativ sauber zu sein scheint und auch nicht unangenehm riecht wie z.B. in Venedig im Hochsommer. Das kommt daher, dass auf natürliche Weise das komplette Wasser der Grachten innerhalb eines Tages ausgetauscht wird.

Haken an den Häusern

Haken an den Häusern helfen beim Verstauen von Gütern.

Uns fällt rasch die typische Bauweise von Amsterdamer Häusern auf. Diese typische Form kommt nicht von ungefähr:

Die Häuser sind alle sehr schmal.

Das kommt daher, dass früher die Steuern anhand der Länge der Straßenseite des Hauses zu entrichten waren. Die schmalen Hausfronten zur Gracht und zu den Straßen ergibt sich einfach durch die Steuersparmaßnahme ihrer Erbauer. Je schmäler ein Haus, desto weniger Steuern sind zu entrichten. Das schmalste Haus in Amsterdam findet man am Singel.

Jedes Haus hat unter dem Giebel einen Haken angebracht.

Früher lagerten die Kaufleute ihre Waren unter den Giebeln. Da die Stiegenhäuser aufgrund der schmalen Hausseite wenig Platz benötigen durften, sind sie auch relativ eng und steil. Manche erinnern einen sogar an eine Hühnerleiter. Schwere oder sperrige Waren über diese Stiegen zu transportieren war sehr anstrengend oder gar unmöglich. Also wurden alle Waren per Seilzug von außen hinaufgezogen und über das Fenster in das Warenlager gebracht.

Auch heute werden diese Haken noch verwendet wenn die Hausbewohner zum Beispiel umziehen.

Viele Häuser neigen sich nach „vorne“ in Richtung Gracht.

Das rührt auch von den Warenlagern unter dem Dachstuhl her, stünden die Häuser gerade dann würden die hinaufgezogenen Waren die Hausmauern oder Fenster beschädigen. Daher bauten die Amsterdamer Kaufleute ihre Häuser mit leichter Neigung zum Wasser um eine Beschädigung des Hauses möglichst zu verhindern.

Einige Häuser neigen sich auch zur Seite.
besonders schiefes Haus

besonders schiefes Haus

Das kommt daher, dass die meisten Amsterdamer Häuser auf künstlich angelegten Inseln gebaut wurden oder auf Holzstämmen direkt im nassen Sand stehen. Über die Jahrhunderte hat der weiche Sandboden nachgegeben oder die Holzstämme sind morsch geworden. Heutzutage werden viele Häuser mit Stahlstehern vorm umfallen bewahrt – manchen hat man sogar ein richtiges Skelett aus Holz verpasst. Würde eines der Häuser einstürzen oder abgerissen werden, besteht die Gefahr dass das Nachbarhaus gleich mit umfällt. In einigen Baulücken sind dagegen Holztraversen eingezogen um die angrenzenden Häuser zu stützen.

Besonders sehenswert sind auch die Formen der Hausgiebel – es gibt glaube ich in der gesamten Amsterdamer Innenstadt keine zwei gleichen Häuser. Manche unterscheiden sich zwar nur durch kleine Details, idente Häuser haben wir aber auf unseren Spaziergängen keine entdecken können.

 weiter zum nächsten Tag

Grachtenspaziergang durch Amsterdam 1. Juni 2010